von Sabine
Wer denkt, dass es in Russland kalt ist, hat recht. Meistens. Ausser in den Sommermonaten. In der kontinentalen Klimazone kann es auch zu unertraeglichen Hitzewellen kommen - wie z. B. am 23. und 24. Juli 2010 - unseren ersten beiden Tagen in Moskau. Aussentemperatur bei der Landung: 35 Grad im Schatten, in unserem Hotelzimmer im 13. Stock in einem Plattenbau aus den 70ern im Norden von Moskau gefuehlte 60 Grad - Celsius.
Auch Stadtbesichtigungen gestalten sich bei diesen Temperaturen auesserst anstrengend. Auf den Prunkstrassen rund um den Kreml gibt es kein Fleckchen erholsamen Schatten und die Sonne knallt erbarmungslos auf uns herunter. So versuchen wir auf kuerzestem Weg von Schatten zu Schatten zu gelangen. Im Kunsthistorischen Museum bleiben wir vor allem in den klimatisierten Rauemen besonders lange. Koptische Altarwaende aus dem 15. bis 17. Jahrhundert sind deshalb von besonderem Interesse fuer uns.
Am Nachmittag des 2. Tages wird es endlich kuehler - Wind zieht auf, der uns auf das erloesende Gewitter hoffen laesst. Am Abend sitzen wir noch auf dem Platz in der Mitte unseres Hotelkomplexes, trinken ein Bier und freuen uns ueber die ersten Anzeichen von Gaensehaut auf unseren Unterarmen. Ein junger Russe sitzt ebenfalls biertrinkend neben uns und spricht uns auf Russisch an - die perfekte Gelegenheit, um mein eingerostetes Russisch hervorzukramen. Wir unterhalten uns soweit wie moeglich ueber Alltagskram. Auf die Frage, was er denn arbeitet, meint er, dass er Autos in Moskau billig kauft, dann damit nach Kasachstan faehrt und sie dort teurer weiterverkauft. Als er mich fragt, wo im Hotel wir wohnen, schwindle ich doch lieber ein bisschen. Er wohnt im 20. Stock, meint er. Erst am naechsten Tag sollen wir im Lift bemerken, dass es gar keinen 20. Stock gibt.
Spaeter legen wir uns schlafen und hoffen auf eine kuehle Nacht, am besten mit Gewitter und viel Regen.
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